"Persönlich" & "privat": Der entscheidende Unterschied

Wie du vielleicht weißt, komme ich ursprünglich aus dem Journalismus. Für mich als freier Journalist war damals nicht Facebook und schon gar nicht E-Mail-Marketing oder ein Podcast mein wichtigster Kanal für mehr Sichtbarkeit, sondern der Kurznachrichtendienst Twitter. Tatsächlich habe ich Twitter täglich mehrfach genutzt und darüber meine Reichweite gewonnen und somit mich als Personal Brand in das Blickfeld der anderen gerückt, darunter eben auch viele Auftraggeber.

Ich war von Twitter so begeistert, dass ich dazu irgendwann viele Texte geschrieben habe – das war mein Einstieg ins Thema Sichtbarkeit und Personal Branding. Später habe ich hierzu auch Seminare durchgeführt. Wer damals mit Social Media noch nicht so richtig in Berührung gekommen ist und eher skeptisch gegenüber Twitter war, der hat mir meistens eine Frage an den Kopf geworfen: "Muss ich denn wirklich jeden Gang zur Toilette preisgeben und jedes Essen fotografieren?" Das Toiletten-Argument war wirklich der Standard. Irgendwie lustig in Anbetracht der Tatsache, dass ich niemanden kenne, der über seinen Klo-Aufenthalt Tweets veröffentlicht hat. Aber nun ja, was sich einmal festsetzt, bleibt als Klischee erhalten.

Heute spreche ich längst nicht mehr nur über Twitter, sondern über eine ganzheitliche Marketing-Strategie. Das liegt natürlich zum einen daran, dass Personal Branding heute mein beruflicher Schwerpunkt ist. Zum anderen spielt Twitter für mich heute keine große Rolle mehr. So verändert sich die Relevanz von Kanälen.

Du musst nichts Privates von dir teilen

Eine Sache verändert sich aber nicht: Wenn ich jetzt über Personal Branding spreche, ist es ein ähnliches Argument, das ich von Skeptikern immer wieder höre: Sie schrecken vor Personal Branding zurück, weil sie nichts Privates über sich erzählen wollen. Es geht hier nicht um den erwähnten Toilettengang, sondern um Privatsphäre im Allgemeinen. Ist Personal Branding aber nicht genau das – Privates über sich zu erzählen?

Und an dieser Stelle möchte ich eines ganz klar betonen: Nein! Beim Personal Branding geht es nicht darum, dass du anderen einen tiefen, intimen Einblick in deine Privatsphäre gibst. Das fordert niemand und ist auch Quatsch. Diesen Mythos will ich endlich aus dem Weg räumen.

Für mich gibt es einen klaren Unterschied zwischen "privat" und "persönlich", den ich dir jetzt gerne nahelegen möchte. Ich spreche ja häufig vom Persönlichkeitsfaktor. Dazu habe ich auch schon eine eigene Podcast-Episode gemacht. Was ich mit dem Persönlichkeitsfaktor meine, ist aber nicht, dass du von deiner Beziehung erzählen, deine sexuellen Vorlieben offenlegen, deine Familienverhältnisse mitteilen oder sonstige Dinge tun sollst. Ich muss nicht unbedingt wissen, wie du privat deine Zeit verbringst, welche Sorgen du dir täglich machst, welche Streitereien zu hast, wie Feiertage im Rahmen der Familie ablaufen oder welchen Alkohol du wann und in welcher Menge trinkst. Du darfst für dich behalten, welche Musik du hörst, wie deine Wohnung eingerichtet ist oder ob du nackt oder mit Schlafanzug schläfst. Ich könnte die Liste privater Dinge ewig fortführen. All das kannst du und solltest du teilweise auch für dich behalten – auch als Personal Brand.

So kannst du Persönlichkeit zeigen

Dennoch kannst du Persönlichkeit zeigen. Persönlich ist es im ersten Schritt schon, wenn du Bilder von dir zeigst. Persönlich ist es, wenn du eine Meinung hast und diese äußerst – wenn du also Haltung zeigst. Persönlich ist es, wenn du eine Community aufbaust und mit Nutzern persönlich interagierst. Du zeigst Persönlichkeit, wenn du deine Motivation darlegst, deine Mission verdeutlichst und deine Vision teilst. Du kannst Persönlichkeit zeigen, wenn du einen Podcast aufnimmst und andere deine Stimme wahrnehmen – oder wenn du Videos publizierst und andere dich sehen. Auch Storytelling sorgt dafür, dass du persönlich bist, wenn du Geschichten aus dem eigenen Leben, aus deiner eigenen Erfahrung erzählst. Auch diese Liste könnte ich ewig fortführen. Ein 1:1-Coaching ist persönlich, aber noch längst nicht privat. Erkennst du den Unterschied zwischen "privat" und "persönlich"?

Du musst also nicht von deinem Toilettengang berichten, um die Twitter-Story vom Anfang dieser Episode aufzugreifen. Du solltest aber Persönlichkeit zeigen, wenn du die Vorteile von Personal Branding genießen möchtest. Du kannst meinen Leitsatz: Menschen folgen Menschen. Dafür musst du allerdings auch als Mensch mit all den persönlichen Aspekten wahrgenommen werden – und nicht als Maschine oder als Logo oder Firmenname.

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Julian Heck | Strategiecoach für Positionierung & Selbstmarketing