Süddeutscher Journalistentag 2014: Leer.

Süddeutscher Journalistentag 2014: Leer.

sdjt14 jakubetz

Das war nix, liebe DJV-Landesverbände. Über den Journalismus 2020 wollten oder sollten wir reden. Doch schon der Medienjournalist Christian Jakubetz stellte in seinem Impulsvortrag auf dem Süddeutschen Journalistentag in Stuttgart klar: Wie der Journalismus in sechs Jahren aussehen werde, das wisse er doch nicht. Nun gut. Das Nichtwissen wertet seinen Auftritt natürlich nicht ab – der DJV hat schließlich einen Top-Journalisten und keinen Top-Hellseher engagiert. Jakubetz machte in seinem Vortrag vor allem Mut, Dinge auszuprobieren und innovativ zu sein. So richtig konkrete Vorschläge lieferte er aber leider auch nicht, „sonst wäre ich jetzt nicht nur, sondern auf den Seychellen“.

War sein Input noch anregend, muss man das, was danach folgte, als enttäuschend betrachten. Scheinbar haben sich 200 Teilnehmer für den #sdjt14 angemeldet, schätzungsweise 120 waren vor Ort. Im vergangenen Jahr in Mainz ist von 600 Anmeldungen die Rede, von denen 400 Teilnehmer auch eintrafen. Eine erschreckende Entwicklung. Erschreckender als die Zahlen sah die Realität in den Sessions aus. Sie waren teilweise einfach nur leer.

sdjt14 leer

Die große Frage ist: Woran hat es gelegen?

Ich hätte da drei mögliche Ursachen im Gepäck:

  1. Das Programm. So dermaßen uninteressant, dass die Massen deswegen wegblieben, war es nicht. Trotzdem muss man festhalten: Das geht besser, viel besser. Neben den 15 Sessions wurden 2 Workshops angeboten, die kostenpflichtig waren. Wer dort teilnahm, hatte nicht mehr viel von der Tagung. Ob solch ein Parallelangebot sein muss? Ich weiß nicht. Von den 15 Sessions mit wenig streitbaren Themen wurden einige doppelt angeboten – teilweise themenähnlich – sodass man die Vielfalt beinahe suchen musste. Die Sessions: Print (2 Mal), Ethik, Hörfunk (2 Mal), Wirtschaft (2 Mal), Ausbildung (2 Mal, ähnlich wie Junge und Attraktivität), Junge (ähnlich wie Attraktivität und Ausbildung), Finanzierung (2 Mal), Attraktivität (2 Mal, ähnlich wie Ausbildung und Junge), Selbstmarketing. Hm.
  2. Der Rahmen. Im Gegensatz zum letzten Mal, wo der Süddeutsche Journalistentag in Mainz beim lebendigen ZDF stattgefunden hatte, war die Messe Stuttgart als Veranstaltungsort sehr – ich sage mal – steril. Entscheidender als die Location ist für mich aber etwas anderes: Vernetzung wurde klein geschrieben, wenn überhaupt beachtet. Es gab keine Mittagspause, um den kleinen Snack zu sich nehmen zu können, ohne etwas von der anstehenden Session zu verpassen. Dabei sind die Pausen doch mindestens so wichtig wie das Programm, weil die Vernetzung mit Kollegen mindestens so wichtig ist. Aber wenigstens nach dem offiziellen Programm noch gemeinsam einen Kaffee trinken… dachte ich. Denn als ich mit meinem Kollegen Karsten Lohmeyer nach unserer letzten Session zum Thema Selbstmarketing in das Foyer kam und noch einen Kaffee trinken wollte, war schon alles abgebaut. Programm fertig. Alles fertig.
  3. Das Format. Veranstaltungen wie diese sind Laber-Veranstaltung. Es wird geredet und geredet und die immerselben Leute sitzen auf den Podien und erzählen etwas über sich, ihre Projekte und geben ihren Senf zu einem Thema hinzu. Ergebnis? Höchstens eine kleine Ladung Inspiration für den Heimweg. Weil solche Veranstaltungen nicht nur ein- oder zweimal im Jahr stattfinden, sondern von vielen immer wieder organisiert werden, könnte man es auch einfach satt haben. „Machen statt meckern“, waren auch die Eingangsworte von Christian Jakubetz. Vielleicht ist es an der Zeit, ein anderes Format durchzuführen. Ein Format, bei dem mehr gegrübelt und gemacht wird, statt zuzuhören und zu antworten. Ein Format, bei dem konkrete Ideen entstehen, die anschließend gemeinsam umgesetzt werden. Vielleicht ist es an der Zeit für ein Format, dass das Motto „machen statt meckern“ umsetzt und das praktisch hervorbringt, über das wir die ganze Zeit nur theoretisch gesprochen haben. Ich wäre dabei! Wer noch?

Ergänzung: Ach ja, Pfingstferien waren ja auch noch. Und Reporterforum. Und schönes Wetter.

tl;dr: Der Vortrag von Christian Jakubetz in 10 Sekunden.

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1 Kommentar

  • […] “Süddeutschen Journalistentag” in Stuttgart (Audio und ein interessanter Beitrag von Julian Heck). Zweimal habe ich vor einem Publikum gesprochen, das eher zu meiner als zu einer jüngeren […]

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Julian Heck | Strategiecoach für Positionierung & Selbstmarketing