Rückblick: Süddeutscher Journalistentag 2013

Rückblick: Süddeutscher Journalistentag 2013

Wenn 570 Journalisten nach Mainz in das Konferenzzentrum des ZDF strömen, um über Themen wie Sportberichterstattung, Lokaljournalismus, Netzpolitik und die Rolle von Moderatoren zu diskutieren, dann hat der Deutsche Journalistenverband (DJV) seine Finger im Spiel – dieses Mal in Form des Süddeutschen Journalistentages. Meine ganz subjektiven Eindrücke.

Gleich vorweg: Es war meine erste Teilnahme beim Süddeutschen Journalistentag. Ich habe also keinen Vergleich zu vergangenen Veranstaltungen. Meine Erwartungen? Die ein oder andere Anregung für meine journalistische Arbeit mitnehmen und mein Netzwerk erweitern. Ob sie erfüllt wurden, dazu später mehr. Das ZDF als Veranstaltungsort war jedenfalls keine schlechte Wahl der Veranstalter – mal abgesehen von der Geräuschkulisse, die für das Forum 1 mitten im Foyer (zudem Verpflegungs- und Aufenthaltsort sowie Marktplatz) nahezu miserabel war.

Ich hatte mich natürlich schon im Vorfeld für die Workshops und Diskussionsrunden (sogenannte „Foren“) entschieden, die ich besuchen wollte: Die Vorstellung der Textebörse dieredaktion.de und die Foren zu Netzpolitik, Rundfunk, Lokales und Bild. Warum es am Ende nur drei der fünf ausgewählten Themen wurden, das erkläre ich gleich.

Ein selbstkritischer stellvertretender ZDF-Chefredakteur

Doch bevor es in die Gruppen ging, hielt der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen einen Impulsvortrag zum Wert des Journalismus – erstaunlicherweise sehr selbstkritisch. Es gelte, Formate aufzubrechen, gemeinsam statt einsam zu arbeiten und komplexe Themen noch besser zu vermitteln. Für einen eigenen Jugendsender sprach er sich jedoch nicht aus – 14- bis 29-Jährige seien sowieso nicht gut einheitlich zu bedienen. Hier hat Theveßen wohl nur die junge Zielgruppe nach Quotenschema im Kopf. Dass „jung“ auch anders definiert werden kann, wollte ihm nicht einfallen. Generell könnte ich aber vieles von dem, was er sagte, unterschreiben. Selbstkritisch setzte er sich und das ZDF auch unter Druck: Alle öffentlich-rechtlichen Sender müssten mehr Qualitätsjournalismus abliefern als Anstalten der freien Wirtschaft in Anbetracht der finanziellen Situation, die bei ARD und ZDF schließlich durch fixe Beiträge stetig und gesichert sei. Paradox war bei dem guten Impulsvortrag jedoch diese Situation:

dieredaktion.de – klingt gut, ist gut?

Positiv und negativ zugleich hat mich dieredaktion.de überrascht. Das Konzept in Kürze: Journalisten stellen Texte ein, Unternehmen/Verlage suchen nach Texten und kaufen Lizenzen ab. Oder Unternehmen schreiben einen Auftrag aus und Journalisten bewerben sich darauf. Klingt einfach, ist es auch. Der Haken dabei ist aber, dass die Zahl der Ausschreibungen verschwindend gering ist und die Bezahlung absolut unterirdischdurchschnittlich. Es wird deshalb auf eine Mehrfachverwertung und nicht auf exklusive Inhalte gesetzt – ein Nebenverdienst. Nun ja, ich werde es probieren. Allerdings nur mit Texten, die sowieso schon geschrieben wurden und geschrieben werden müssen. Denn das Schreiben speziell für dieredaktion.de in der Hoffnung, mit diesen Texten Geld zu verdienen, lohnt sich nicht. Trotzdem ein lehrreicher „Workshop“.

Süddeutscher Journalistentag 2013

Netzwerken

Das Mittagessen, für das es keine extra Pause gab, nutzte ich für Gespräche und ließ dafür das Forum Rundfunk ausfallen. Ja, dort wollte ich ursprünglich nur hin wegen den bekannten Gästen Gundula Gause (ZDF, heute), Tatjana Ohm (N24) und Ulrich Meyer (Sat 1, Akte) – idiotisch. Der Austausch mit Kollegen war um ein Vielfaches wertvoller, gerade für mich als junger Journalist mit einem noch kleinen Netzwerk. Ich freue mich über jeden neuen Kontakt – des Austauschs und auch des möglichen neuen Auftrags wegen. So ergab es sich auch, das Forum Bild wegzulassen und mich stattdessen mit diversen Kollegen zu unterhalten über die persönliche Arbeit, eine eventuelle Kooperation, mein gescheitertes Crowdfunding-Projekt und über die Tagung Besser Online in der zweiten Jahreshälfte 2013. Schon deshalb hat sich der (kurze) Weg nach Mainz gelohnt.

Netzpolitik: Belanglos

Das netzpolitische Forum hat mich wenig begeistert. Ein Pirat, die Rheinland-Pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner und der Hessische Grünen-Vorsitzende Tarek Al-Wazir sprachen über die Nutzung von Twitter und Facebook. Die einen sind dabei, die anderen nicht. Die einen machen es selbst, die anderen nur teilweise. Die einen empfinden es als bedeutungslos, die anderen als Pflicht zur Transparenz. Privat bleibt privat. Inszenierung spielt teilweise eine Rolle. Naja, nichts Weltbewegendes und nichts, was meine journalistische Arbeit voranbringen könnte.

Vorbildliche Wege im Lokaljournalismus – auch online?

Inhaltlich wurde es für mich im letzten Forum nochmal besonders interessant: Lokaljournalismus. Besonders Joachim Braun, Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers und „Chefredakteur (regional) des Jahres 2012“, hat mich beeindruckt. Seine ehrliche und direkte Art tat der Diskussion gut und tut gewiss auch seiner Redaktion gut. Er hat mit einem wöchentlichen Vereinsmagazin eine gute Lösung für das sinnvolle Unterbringen sämtliche Vereinsinhalte gefunden. Er legt viel wert auf einen kritischen Journalismus, ohne eine Hau-drauf-Mentalität zu haben.

Er geht neue Wege und hat noch einiges vor. Ihn sollte man im Auge behalten – gerade in Zeiten einer mangelnden Fokussierung auf das Lokale. Gefehlt hat mir in dieser Diskussion aber der Blick auf die Ausrichtung im Netz. Man könnte jetzt frech in den Raum stellen: Aus Gründen?

Besser mehr online!

Alles in allem eine gute Veranstaltung, wenngleich ich mir eine (andere) Schwerpunktsetzung gewünscht hätte. Das Programm hat im Vorhinein kein Geheimnis daraus gemacht und doch ist es mir erst gegen Ende der Veranstaltung so richtig bewusst geworden: Wir sprachen über neue Wege im (klassischen) Journalismus, über Online-Textbörsen und über Politiker und Journalisten bei Twitter. So richtig durchdrungen hat der digitale Wandel im Journalismus die Tagung allerdings nicht. Es gab kaum Online-Themen, die sich mit der Zeitung im Web, mit SocialTV oder SocialRadio oder mit neuen Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung beschäftigt haben. Eigentlich ist es in aller Munde und doch scheint die Realität für viele noch Zukunft zu sein.

Das lässt sich schon allein an der Anzahl der Tweets zum Süddeutschen Journalistentag mit dem Hashtag #sdjt13 zeigen. Sie war nämlich sehr gering. Die Tweets hatten kaum bis keine Relevanz. Auf 570 Journalisten kamen etwa 120 Tweets – davon viele Mehrfachtweets einzelner Personen (elf von mir). Faszinierend, wenn der Hessische Grünen-Vorsitzende Tarek Al-Wazir genau auf dieser twitterlosen Tagung verkündet, mit dem Twittern beginnen zu wollen, weil so viele Journalisten dort präsent seien. Ich fände mehr online besser. Vielleicht in wenigen Monaten bei Besser Online.

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2 Kommentare

  • Lieber Julian Heck,
    hätte mich auch gerne über digitalen Journalismus unterhalten, aber leider kamen ja weder Fragen vom Moderator noch aus dem Publikum. Auch nicht von Dir, übrigens. Schade. Aber vielen Dank für das Lob.
    Herzliche Grüße
    Joachim Braun

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