Journalistische Inhalte: Menü oder Buffet?

Journalistische Inhalte: Menü oder Buffet?

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Die Journalismus-Branche bewegt nichts so sehr wie die Frage nach erfolgreichen Finanzierungsmodellen. Paywall? Metered Model? Freemium? Premium? Begriffe stehen einige im Raum. Die eine Lösung gibt es zurzeit nicht – und wird es wahrscheinlich nicht geben. Beim Blick auf meine Twitter-Timeline konnte ich eine Diskussion über genau dieses Thema verfolgen und zwar aus Nutzersicht. Ich habe mich auch eingemischt und den Verlauf nun als Storify dargestellt.

Auslöser war dieser Tweet zum neuen SPIEGEL, in dem ein Artikel lesenswert zu sein scheint

Der #SPIEGEL könnte sich diese Woche lohnen – Vorabmeldung: „Bundeswehr wollte Euro-Hawk-Daten löschen lassen.“ bit.ly/11wJmoJ

 

Die Reaktion eines enttäuschten Lesers

@SimonHurtz @kopfzeiler Nee, nee – da fall ich nicht mehr drauf rein. Jeder Holz-#Spiegel-Kauf war in den letzten Monaten ein Reinfall…

 

…und die Zustimmung, was den Kauf der gesamten SPIEGEL-Ausgabe betrifft.

@LousyPennies @kopfzeiler Da lob ich mir die Uni-Bib. Jede Woche 4,20 Euro wären mir auch ein bisschen viel. Das Wichtigste bekomme […]

 

Der Preis einer Zeitschrift ist in der Tat für viele Menschen ein Argument gegen den Kauf, weil man ja nicht die ganze Zeitschrift lesen möchte, sondern etwa nur die Titelgeschichte – und die Titelgeschichte der ein oder anderen Zeitschrift. Ganz abgesehen davon erscheinen zurzeit noch viele Texte zeitgleich oder etwas verzögert im Internet, was einige vom Bezahlen abhalten könnte.

@LousyPennies @kopfzeiler Traurig? Hm. Mein (Geld-, aber vor allem Zeit-)Budget ist begrenzt, und das Angebot an spannendem Lesestoff […]
@LousyPennies @kopfzeiler ist, nicht zuletzt durch die Digitalisierung, größer als je zuvor. Da finde ich es okay, Prioritäten zu setzen.

 

Allerdings nicht alle, wie der nächste Tweet beweist.

@SimonHurtz @kopfzeiler Ich finde, dass man die Arbeit von Journalisten bezahlen sollte. Sonst gibt es die tollen Stories bald nicht mehr

 

Die Frage ist nur: Welches Bezahlmodell ist sinnvoll?

@doktordab @SimonHurtz @julianheck Bin ja bereits fürs ganze Programm zu zahlen – aber ohne programmierte Produktenttäuschung…
@doktordab @SimonHurtz Kaufe gerne ein Überraschungspaket, so lernt man neues, möchte aber auch positiv überrascht werden
@LousyPennies @SimonHurtz Hab leider keine Zeit für Überraschungen. Vor allem nicht für negative.

 

Oft wird gefordert, dass man auch einzelne Artikel erwerben können muss, um sich an der ganzen Zeitungsvielfalt bedienen zu können, ohne sich wegen den Kosten in den Ruin zu stürzen. Gegen das Gesamtpaket spricht auch, dass man die Katze im Sack kauft – eventuell mit einer bösen Überraschung zur Folge.

@doktordab @SimonHurtz Als doch Pay-per-Read? 30 Cent für den Artikel statt 4,20 Euro fürs Gesamtpaket?

 

Aber auch das Modell des Einzelverkaufs hat Nachteile und birgt Risiken.

@LousyPennies @simonhurtz Entbündelung wird kommen (müssen). Auch wenn dann u.U. nur noch gefällige Geschichten gemacht werden.
@doktordab @LousyPennies @SimonHurtz Frage ist doch, ob bei einer Entbündelung harte, aber weniger populäre Geschichten refinanzierbar sind

 

Das Gesamtpaket finanziert auch „harte“ Artikel mit, die vielleicht kein Millionenpublikum erreichen, aber wichtig sind für den Journalismus als „Herrschaftskontrolle“. Das würde bei einem reinen Einzelverkauf schwierig werden. Was ist also das richtige Modell? Eine Kombination aus Einzelverkauf und Gesamtpaket? Ausschließlich Letzteres wird sich langfristig nicht durchsetzen können. Das Internet bietet dafür einfach zu viel.

@doktordab @LousyPennies @SimonHurtz heute triffst du einfach zu oft auf guten Lesestoff und der Tag hat nur 24h

 

Eine interessante Diskussion ist es allemal, die heute Mittag hier auf Twitter geführt wurde – und nicht nur dort. Natürlich spielen auch noch andere Aspekte eine Rolle: Sollen alle Artikel kostenpflichtig sein, wenn nicht, wie werden kostenfreie Artikel ausgewählt und welche Technik steht dahinter? Gibt es ein einheitliches Bezahlmodell oder brauche ich bei jeder Zeitung einen eigenen Account? Es gibt noch viel zu diskutieren. Es gilt noch viel auszuprobieren. Einig scheinen sich viele darin zu sein, wie jetzt und zukünftig konsumiert wird. Die Reaktion darauf steht aus.

@LousyPennies @doktordab @SimonHurtz Hm, ich will nicht immer das fertige Menü, sondern vom Buffet essen. Aber: siehe mein Tweet zuvor…
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