Journalist: Beruf als Hobby!?

Journalist: Beruf als Hobby!?

Der Journalismus ist in der Krise. Das liest man in den vergangenen Monaten ständig, eigentlich aber seit Jahren immer mal wieder. Die Aufgaben von Journalisten ändern sich mit dem digitalen Wandel. Online ist inzwischen kein eigenes Aufgabenfeld mehr, sondern soll zur „Grundausstattung“ eines Journalisten gehören: Links setzen, Fotos ergänzen, Web-Videos drehen, Audio-Slideshows anbieten und am besten noch einen eigenen Blog betreiben und ein bisschen programmieren können – neben den üblichen journalistischen Fähigkeiten, einer guten Schreibe, dem Recherchieren, Informieren, Einordnen, Aufdecken, mit einem kritischen Blick natürlich. Journalisten sollen idealerweise Allround-Talente essentiell für das Funktionieren der Demokratie sein.

Ein anspruchsvoller Job, oder? Anspruchsvoll heißt aber nicht gleichzeitig gut angesehen und vernünftig bezahlt. Gerade letzteren Aspekt rückt die Aktion von „Freischreiber“ wieder in den Fokus. Auf dem Blog „Was Journalisten verdienen“ kann jedermann das Honorar seines Auftraggebers eintragen. Die Zahlen sind oftmals erschreckend – auch, wenn der Deutsche Journalistenverband kritisiert hat, es würden ja vor allem schlechtverdienende freie Journalisten ihr Honorar anonym preisgeben.

Journalisten-Milieu: Eine Talent-Zone?

Hinter dieser ganzen Diskussion steckt aber noch eine andere Sache, die vereinzelt angesprochen wird: Kann man vom Journalismus alleine noch anständig leben? Ist der Beruf des Journalisten damit überhaupt noch zukunftsfähig als ein Beruf wie jeder andere oder ist/wird er zu einem gut bezahlten Hobby für super-ambitionierte Schreiber/Filmer/Fotografen? Und was treibt junge Menschen wie mich dann noch an, die berufliche Zukunft im Journalismus zu suchen?

Journalismus ist ein kreativer Beruf. Es gibt solche, die gut schreiben können und solche, die sich sogar davor drücken, einen Brief oder eine E-Mail zu schreiben. Trotzdem gilt auch beim Beruf des Journalisten: Handwerk, Umgang und Wissen erfordern eine Qualifikation, die sich die wenigsten selbst aneignen. Das Journalisten-Milieu ist also keine Zone, in die man ausschließlich mit Talent und Spaß an der Freude hineinkommt.

Ein Beruf wie jeder andere!?

Es heißt oft, man müsse für diesen Beruf „brennen“, sonst würde man nicht glücklich werden. Nun ja, für seine berufliche Tätigkeit, die man in der Regel Jahrzehnte ausübt, sollte man bestenfalls immer brennen, egal ob Journalist, Arzt, Friseur oder Maurer. Denn man, nein wir (!) Journalisten müssen uns öfter mal vor Augen halten, dass es viele Jobsparten gibt, die schlecht bezahlt sind und dennoch einerseits einen hohen Stellenwert für die Gesellschaft haben und es andererseits genug Menschen gibt, die damit glücklich sind – trotz der finanziellen Lage.

Journalisten spielen durchaus eine wichtige Rolle in der Demokratie. Aber die meisten Journalisten bewegen sich in der freien Wirtschaft. Ja, auch sie können einer Entlassungswelle nicht entfliehen. Auch sie haben keinen Anspruch auf ein solides Einkommen, weil sie scheinbar über allem stehen. Menschen, die den Weg in den Journalismus suchen, müssen sich wie alle anderen auch darauf einstellen, mehr oder weniger gut bezahlt zu werden, mehr oder weniger Anerkennung zu erhalten, mehr oder weniger Sicherheit vor Arbeitslosigkeit zu haben und mehr und mehr für das, was sie beruflich tun möchten, zu brennen – wie alle anderen auch. Journalist ist ein toller, vielfältiger und kreativer Beruf, den ich wirklich mag, aber nicht über alles andere hebe.

Verpasse keine Episode und abonniere jetzt meinen

Personal-Branding-Podcast.

Abonniere meine kostenlosen Branding-Impulse!

Bonus zum Start: E-Mail-Kurs
"7 Schritte zu einer messerscharfen Positionierung"
Der Newsletter wird gewöhnlich einmal pro Woche verschickt und enthält neben Informationen, Impulsen und Link-Tipps zu den Themen Personal Branding und Selbstständigkeit auch unregelmäßig Angebote zu diesen Themen. Du hast in jeder E-Mail die Möglichkeit, den Newsletter abzubestellen. Verschickt wird der Newsletter über den deutschen Anbieter "Chimpify". Zur Optimierung des Newsletters werden Daten z.B. zur Öffnungs- und Klickrate erhoben. Mehr Informationen kannst du der Datenschutzerklärung entnehmen. 

2 Kommentare

  • Vor weg. Hoch leben die Krautreporter!

    Ich bin 27, Bümmelgeschichtsstudentin mit wenigen Praktika im Journalismus. Dafür mit einer ausgewachsenen Depression, die sich schleichend, Dank Selbstzweifel bzgl. der Krise im Journalismus, ausbreitete, mich lähmte und beinahe auffraß. Ich weiß, klingt dramatisch.
    IST ES AUCH!
    Heute habe ich mich entschieden: Ich mach es. Objektiv betrachtet könnte man nun sagen: Mensch, was hat dat Mädl' doch für'n Luxusproblem. Es gibt taaauuuusende junge, ambitionierte Menschen da draußen, die ihre Studienzeit nicht mit Zweifeln verbracht haben. Die haben einfach gemacht! Hätte ich das auch mal lieber gemacht. Hab ich aber nicht. Und deswegen mach ich es jetzt.

    Julian ich finde das Blog von dir super. Meines ist momentan im Aufbau. Ich schicke Dir gerne einen Link sobald es sitzt.

    Journalisten haben einen anständiges Gehalt verdient. Die Verlage haben nach der Krise ihre Verluste wieder eingefahren. Die Journalisten ihre Stellen leider nicht. Diese wird ihnen auch niemand vor die Füße werfen. Man muss schon darum kämpfen. Aber so wie es scheint, haben sich die meisten damit abgefunden, wandern in andere Branchen ab, oder kämpfen sich monatlich mit 1000 Euro Brutto durch. Das sie aber nicht um ihre alten Stellen kämpfen, denke ich, liegt an der Denkweise des Journalisten an sich. Liebes entwickelt er etwas neues. Krautreporter kann hier nur als ein Beispiel von vielen gelten... Trotz allem fände ich sehr interessant zusehen, wenn Redaktionsstrart wär und keine ginge hin. Das wäre ein Impakt!
  • Beim Journalisten verhält es sich bei wie jedem anderen Beruf in einer Marktwirtschaft - Die Nachfrage bestimmt den Preis. Informationen schwirren fast frei umher, da immer mehr Schreiber selbst Ausdruck suchen und kaum nach entlohnung verlangen. Das Angebot wächst. Der Berufsjournalist muss da schon etwas bieten, um sein Publikum zu begeistern. Genau das vernachlässigen jedoch meines Erachtens viele Journalisten, gerade im Metier der Zeitungen.

Was denkst du?