Facebook: Nicht mehr das Wahre

Facebook: Nicht mehr das Wahre

Neulich wurde berichtet, Facebook verliere seine Nutzer, vor allem die junge Generation. Der Anfang vom Ende? Nun, in Anbetracht der Nutzerzahlen, die Facebook hat, ist vorerst kein Ende in Sicht. SchülerVZ hat schließlich erst bei 200.000 Nutzern das Handtuch geworfen. Dennoch: Hat Facebook den Gipfel erreicht und geht jetzt allmählich bergab? Ich bin weder Hellseher noch mag ich über die Zukunft von Facebook spekulieren oder eine Prognose wagen. Über meinen eigenen Eindruck aber kann ich sprechen und darüber, warum ich von dem größten sozialen Netzwerk enttäuscht bin – nicht nur wegen der Ausrichtung von Facebook, sondern auch wegen seinen Nutzern. Aber von vorne.

Als Facebook so langsam Schwung genommen hat und auch mich mitriss, wurde ich von damals noch nicht registrierten Personen (manche davon waren sogar schon damals meine Freunde, ganz ohne digitale Freundschaftsanfrage) gefragt, warum ich denn unbedingt bei Facebook sein müsse. Naja, SchülerVZ war irgendwie kindisch, „wer kennt wen“ langweilig und Facebook neu. Dort ist der Unterhaltungsfaktor höher, man kann alleine oder mit anderen spielen, schreiben, was gerade so läuft oder in die Runde fragen, wer gerade Zeit hat und natürlich chatten (warum also noch icq oder msn messenger?). Ich kann Kontakte zu Leuten halten, die weiter weg wohnen, mich in Gruppen organsieren und kenntlich machen, wer oder was mir gefällt. Und mit der Zeit kam dann noch das Nachrichten lesen und diskutieren hinzu. Was sprach oder spricht denn dagegen?

Wieder mehr Soziales im sozialen Netzwerk

Tja, wenn Mark Zuckerberg mal nicht die Datensammelwut und Geldgier gepackt hätte. Vermehrt stieß und stoße ich auf Werbung, irgendwelche gesponserten Statusnachrichten und Seiten-Vorschläge. Es kommen ständig mehr mehr oder weniger sinnvolle Funktionen dazu. Ich muss aufpassen, dass meine Privatsphäre-Einstellungen vernünftig geregelt sind – insoweit man überhaupt noch alles eigenmächtig vernünftig regeln kann. Ich begegne (wie bei SchülerVZ und „wer kennt wen“) immer mehr Ketten-Nachrichten bzw. Ketten-Statusnachrichten und Katzen-Videos (von denen wiederum einige wirklich lustig oder süß sind). Facebook wird zu einem (Daten-) Monster, was einige abschreckt und zum Nichtstun bewegt. Ganz im Gegenteil zu den Firmen, die nach und nach auf Facebook kommen und es als Werbeinstrument nutzen. Aus dem sozialen Netzwerk ist eine Monetarisierungsmaschine geworden. Sinnvoll, aber auch nervig.

Und genau das, was im letzten Absatz beschrieben ist, lässt mich zu dem Urteil kommen: Facebook ist nicht mehr das Wahre. Ich würde mir wünschen, dass mehr (lustige, spaßige, kritische, politische, gesellschaftliche) Diskussionen zustande kommen, wieder mehr Interaktion ohne Angst vor der Datenkrake, mehr Soziales im sozialen Netzwerk.

Natürlich werden jetzt einige sagen: Dann bist du mit den falschen befreundet, hast die falschen Seiten geliked. Ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht…

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1 Kommentar

  • Wie alles hat facebook Vor- und Nachteile. Es ist nett, Leute wieder zu finden, zu denen man den Kontakt verloren hat. Alte Schulkameraden, Kommilitonen usw. Ich finde es gut und praktisch, über Veranstaltungen informiert zu werden und sich dann auch schnell und einfach über fb verabreden zu können. Auch ein kurzer Schwatz im Chat macht Spaß.

    Mehr als bedenklich finde ich allerdings, dass sich scheinbar viele Menschen ihre zweite Welt in facebook bzw. den angeschlossenen Spielen generieren. Da gibt es Leute mit mehreren Hundert Freunden, die sich beim digitalen Blumengießen, Kuchenbacken oder Kriegspielen "kennengelernt" haben. Da gieße ich doch lieber reale Blumen, backe echten Kuchen und genieße beides mit wirklich anwesenden Freunden im Garten, dessen Gras ich unter den Füßen spüre. Ich unterstelle Facebook das Fördern von Realitätsverlust. Was meint ihr dazu?

Was denkst du?

Julian Heck | Strategiecoach für Positionierung & Selbstmarketing