Ein Journalist, drei Fragen, viel Interessantes: Isabel Pfaff

Ein Journalist, drei Fragen, viel Interessantes: Isabel Pfaff

Wir sind so viele – und ich möchte mehr von ihnen kennenlernen: Journalisten. In meiner neuen Serie „Ein Journalist, drei Fragen, viel Interessantes“ beantwortet mir deshalb jede Woche eine Kollegin oder ein Kollege drei Fragen. Diese Reihe ist gesponsert von dem Journalismus-Portfolio-Netzwerk torial. Alle vorgestellten Journalisten sind dort mit einem Profil vertreten.


Isabel PfaffDiese Woche am Start: Isabel Pfaff. Die Journalistin aus München hat Afrikanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert und die Deutsche Journalistenschule besucht. Sie schreibt für Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung und die FAZ unter anderem Reportagen und Features über jene Themen, mit denen sie sich im Studium näher befasst hat.


Auspacken, bitte: Was sind deine Stärken und Schwächen als Journalist?

Meine Afrika-Expertise – vor allem über den Osten des Kontinents – ist wohl meine größte Stärke. Dabei ist mir egal, ob es um Politik, Wirtschaft, Kultur oder Geschichte geht. Mich interessiert so ziemlich alles, was südlich der Sahara passiert, und ich treibe auch von Europa aus gute Gesprächspartner und Quellen auf, die die Berichterstattung darüber braucht. Dieser Schwerpunkt bringt es mit sich, dass ich eine gewisse Skepsis gegenüber dem globalen politischen Mainstream entwickelt habe. Ich bemühe mich um eine Perspektive, die die Ränder stärker in den Blick nimmt. Bei der Recherche ist mir Behutsamkeit, in der Berichterstattung Fairness wichtig. Ich mag es nicht, wenn Journalisten in ihrer Jagd nach den knackigen Themen verbrannte Erde hinterlassen. Ich spreche viele Sprachen. Und ich bin ein politischer Mensch. Es fällt mir leicht, Einschätzungen und Haltungen zu entwickeln, und ich kommentiere gern.

Meist versteckt sich hinter einer Stärke eine Schwäche – so ist das auch bei mir. Oft scheitere ich daran, Themen zuzuspitzen oder gröber zu schnitzen, weil ich fair bleiben, keinen Standpunkt außer Acht lassen will. Ich schiebe das auf meine Jahre an der Uni und hoffe auf Besserung. Ich bin zu selten in Afrika. Und ich tippe mit zu wenig Fingern (wie wenig es tatsächlich sind, verrate ich nicht).

sponsor torialWas zeichnet qualitativ hochwertigen Journalismus aus?

Guter Journalismus findet die Story im Zeitgeschehen – und dreht das Zeitgeschehen nicht so, dass eine Story daraus wird. Gute Journalistinnen und Journalisten behalten auch abseitige Themen und Regionen im Blick, denn nur dann entsteht jene Form der Kritik und Kontrolle, für die wir da sind. Guter Journalismus schwimmt nicht einfach mit im Strom, sondern setzt Themen nach bestem Wissen und aus Überzeugung. Um das Aktuelle einordnen zu können, braucht guter Journalismus auch den Blick auf das Vergangene. Und – selbst wenn das jetzt altmodisch klingt – auch die Chronistenpflicht gehört zu gutem Journalismus. Der beste Newsticker zum Westgate-Terroranschlag in Nairobi ist nutzlos, wenn uns die Aufklärung des Anschlags Monate später keine Nachricht mehr wert ist. Diese Grundsätze sind nicht neu. In all den Debatten um neue journalistische Formen und Kanäle kommen sie mir zu wenig vor.

Auf welche Tools möchtest du beruflich nicht mehr verzichten?

Twitter ist personalisierter Nachrichtenticker und Themenmaschine in einem. Als Social-Media-Spätzünderin habe ich das spät, aber gerade noch rechtzeitig erkannt. Gut finde ich auch die Podcast-Apps für guten Radiojournalismus on demand. Außerdem schätze ich Gespräche mit Fachleuten und Nicht-Journalisten – die geben neue Impulse und dämpfen die Betriebsblindheit. Auch wenn dazu wohl niemand „Tool“ sagen würde.

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1 Kommentar

  • Isabel Pfaff halte ich für eine kompetente und engagierte Journalistin, die eine durch ihr Uni-Studium in Leipzig und verschiedene Afrika-Reisen fundierte Position hat, mit beiden Beinen im Leben steht und nicht dem Mainstream folgt. Ich wünsche ihr viel Glück, beruflichen Erfolg und - wenn er mal gebraucht wird - einen umsichtigen Schutzengel.

Was denkst du?

Julian Heck | Strategiecoach für Positionierung & Selbstmarketing