Die HuffPostDE: Ich habe es kapiert!

Die HuffPostDE: Ich habe es kapiert!
Screenshot der Huffington Post Startseite am ersten Tag.

Screenshot der Huffington Post Startseite am ersten Tag.

Heute ist die Huffington Post Deutschland an den Start gegangen. Aber wem sage ich das. Mitbekommen hat es wohl jeder, ob er wollte oder nicht. Schon Wochen zuvor wurde das Geschäftsmodell hoch- und runterdiskutiert. Ausbeute und so, du verstehst. Jetzt ist sie online – und die Diskussionen nähern sich langsam dem Inhalt. Ich bin noch (oder schon) beim Konzept der HuffPostDE. Ja, ich glaube, ich habe es kapiert!

Was wurde die letzten Tage und Wochen gemeckert. Die HuffPost beute Journalisten aus, nutze ihre Bekanntheit aus. Die Währung für Beiträge sei die Reichweite und nicht das Geld, welch Skandal. Einige wenige sahen aber auch die Chance im Start der HuffPost, die Chance für ein alternatives journalistisches Modell mit der Community im Fokus. Und heute? Heute um die Mittagszeit wurde erwartungsgemäß auf die HuffPostDE eingedrescht: Scheiß Layout. Billiger Aufmacher. Gekaufte PR-Artikel. Promi-Gelaber. Unter-Bild-Niveau. Ach, und überhaupt. Kacke halt.

Die HuffPost, ein Universal-Spielfeld

Meine heutige HuffPostDE-Gefühlslage von der Pressekonferenz bis jetzt? Neugierig, gelangweilt, ernüchtert, enttäuscht, neugierig. Und jetzt gerade hat sich bei mir ein Aha-Effekt eingestellt. Ich habe die ganzen Diskussionen im Vorfeld verfolgt, die Pressekonferenz angeschaut, die ersten Minuten betrachtet, ein paar Stunden Zeit vergehen lassen. Nun bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich behaupte: Erst in diesem Moment wird mir klar, was die HuffPostDE überhaupt ist. Sie ist nämlich kein SZ- oder FAZ-Abklatsch, kein Bild-Konkurrenz, kein Bunte-Ableger und auch kein Autoren-Ausbeuter. Die HuffPostDE ist ein All-Content-Hoster, ein Blogger-Blog, ein moderiertes Abbild gesellschaftlich relevanter Themen, wobei Relevantes ausnahmsweise mal nicht Eliten-Relevantes ist. Verleger Jakob Augstein behauptete heute auf der Buchmesse, „Eliten schreiben über Eliten für Eliten“. Genau das macht die HuffPost nicht. Sie bringt Politisches, Wirtschaftliches, Technisches, Lifestyle- und Boulevard-Themen auf ein Universal-Spielfeld. Alle Bürger können mitspielen, als Hobby. Die HuffPostDE-Redaktion sind die professionellen Schiedsrichter.

Eine klare Rollenverteilung

Die HuffPostDE ist deshalb schlecht vergleichbar mit SZ, FAZ, Bild oder Bunte, die jeweils auf einem speziellen Spielfeld spielen, professionell. Die Huffington Post kümmert sich um die Rahmenbedingungen und überlässt das Spiel weitestgehend den Hobby-Spielern, zum Beispiel Bloggern. Wenn ich als Journalist für die HuffPostDE schreiben will, mich in der Hobby-Liga befinde, darf ich nicht verlangen, dass man mich als Profi behandelt. Vielleicht habe ich mal einen Gastauftritt, um die große Hobby-Szene als Eigen-Werbung zu nutzen, etwas Gutes zu tun. Mehr aber nicht. Andersrum wird bei der HuffPostDE eventuell jemand entdeckt, der bald in die Profi-Liga aufsteigt. Das muss allen Beteiligten klar sein, wenn sie sich diesem Spiel nähern. Die Rollen sind verteilt. Lasst uns damit klarkommen. Lasst uns die ersten Schritte der deutschen HuffPost verfolgen und froh sein, wenn ein neuer Player auf dem Markt Fuß fasst. Aber lasst die HuffPost HuffPost sein. Lasst sie ihr Spiel machen. In ein paar Jahren werden wir sehen, ob die Mischung aus Hobby- und Profi-Akteuren aufgeht.

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1 Kommentar

  • […] Zeit, um sich zu entwickeln. Im Gegensatz zum Start der Huffington Post im Oktober 2013 – ich war schon etwas enttäuscht – machen die Schweizer Kollegen definitiv etwas richtig: Sie sind anders, schauen sich […]

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Julian Heck | Strategiecoach für Positionierung & Selbstmarketing