Der Drang zum Informieren

Der Drang zum Informieren

„Der Anteil der Bürger, denen es wichtig ist, gut informiert zu sein, sinkt.“, erläutert Meinungsforscherin Renate Köcher. Kann ich persönlich nicht nachvollziehen…

Das habe ich heute auf Facebook gepostet, nachdem ich dieses Interview der Berliner Zeitung mit der Meinungsforscherin Renate Köcher gelesen habe. Ich informiere mich täglich, mehrmals täglich, über das, was gerade um mich herum geschieht. Mir ist es wichtig, gut informiert zu sein. Zu wichtig?
Renate Köcher meint, mit der Tageszeitung würde man sich umfangreicher informieren, nicht so selektiert nach den eigenen Interessen, wie es im Internet sei. Besonders die junge Generation informiere sich nur noch über das, wofür sie sich interessiere. Der Blick über den Tellerrand fehle quasi gänzlich. Wie soll die Generation Internet, wie sollen die „Digital Natives“ bei „Wer wird Millionär“ bloß über die 16.000 Euro Frage kommen, wenn kein Allgemeinwissen mehr vorhanden ist? Kann sich diese Generation nur noch in ihrem Spezialthema behaupten?

Querlesen und filtern

Pauschalisieren wäre an dieser Stelle das Falsche, weshalb ich nur von mir und meinen Erfahrungen sprechen kann. Ein Jahr lang habe ich die Süddeutsche Zeitung gelesen. Natürlich nicht von vorne bis hinten, von Politik, Wirtschaft, Feuilleton bis zu Kultur, Alltag, Sport, Lokale, Aus aller Welt und wie die Ressorts noch heißen. Ich habe die Seiten überflogen und bin in der Regel an einem Artikel zu einem Thema hängengeblieben, wofür ich mich Interessiere. Nur ganz selten habe ich mal einen Text aus dem Sportteil konsumiert. Die Zeit, die komplette Zeitung zu lesen, hatte und habe ich nicht. Will ich auch nicht haben. Nicht alles muss ich wissen. Nicht überall muss ich Experte sein. Diese würde es schließlich gar nicht mehr geben, wenn alle alles wüssten.

Informationsflut im Internet? Lösung: Nicht alles wissen wollen, sondern filtern. Bild: Gerd Altmann / pixelio.

Informationsflut im Internet? Lösung: Nicht alles wissen wollen, sondern filtern. Bild: Gerd Altmann / pixelio.

Und im Internet? Im Internet reicht die Zeit auch nicht aus, mich jeden Tag über alle Neuigkeiten zu informieren – dies liegt auf der Hand. Hier überfliege ich einige Seiten genauso wie im Printprodukt, mit dem Unterschied, nicht nur Süddeutsche, sondern Süddeutsche, FAZ, Welt, taz, Frankfurter Rundschau, Zeit, Spiegel, der Freitag, The European, Cicero – ich breche die Liste frühzeitig ab – überfliegen zu können. Zusätzlich gelange ich über Empfehlungen auf Facebook oder Twitter zu Artikeln, die mich interessieren. Ja, Artikel, die mich interessieren. Mich interessiert auch ein Text zum gestrigen Spieltag, wenn er gut geschrieben ist und etwas passiert ist, was ich näher wissen möchte. Mich interessiert ebenfalls auch ein Text zu den Auseinandersetzungen am Gazastreifen, wenn er ansprechend aufgemacht ist und die Information für mich als relevant erscheint. Beide Themengebiete zählen beim üblichen Querlesen nicht zu den Punkten, die meine Aufmerksamkeit bekommen. Weder im Internet noch im Printprodukt.

Die Rolle des Datenträgers

Und dass Hintergrundberichte nur in Tageszeitungen, nicht aber im Internet zu finden sind, halte ich für ein Gerücht. Warum soll ein Datenträger – nichts anderes ist Papier und das Internet – über die Qualität von Texten entscheiden? Im Internet ist der gleiche Murks zu finden wie in einer Tageszeitung. Gleiches gilt für das Auffinden von Texten mit ausgezeichneter Recherche und einem hervorragendem Stil. Diese Unterscheidung bezogen auf das Medium halte ich für Unsinn. Ein Unterschied ist lediglich darin vorzunehmen, dass Tageszeitungen endlich und nicht aktuell sind, das Internet jedoch unendlich und aktuell ist.

Gewissermaßen habe ich einen Informationsdrang, ja. Das Informieren gehört für mich zum Alltag wie das Zähneputzen, Essen und Trinken. Filtern ist deshalb wichtig. Allerdings möchte ich selbst filtern – im Internet – und nicht gefilterte Informationen bekommen, wie es die Tageszeitung nunmal tut, tun muss. Ein Tag, ohne einen guten Text gelesen zu haben, das ist für mich ein schlechter Tag. Ein Tag, ohne einen Text gelesen zu haben, das ist ein noch schlechterer Tag. Woher ich letztlich mein Informationen beziehe? Geschmackssache.

Ich würde mich riesig freuen, wenn du meinen Podcast abonnierst, um am Ball zu bleiben.
  Subscribe
Natürlich freue ich mich auch über eine 5-Sterne-Bewertung und eine Rezension bei iTunes.
Podcast bewerten

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

Julian Heck | Strategiecoach für Positionierung & Selbstmarketing