Crowdfunding: Google schickt Jung & Naiv auf Europatour

Crowdfunding: Google schickt Jung & Naiv auf Europatour

Tilo Jung hat es geschafft, kurz vor Schluss. Die 15.000 Euro-Schwelle beim „Jung & Naiv goes Europe“ – Crowdfunding wurde übertroffen, dank Google Deutschland. What? Dieser Internetriese? Genau! Aber: Warum bloß?

Screenshot: www.krautreporter.de/de/JungNaivEurope

Google gibt den entscheidenden Schub. Screenshot: www.krautreporter.de/de/JungNaivEurope

Der Journalist Tilo Jung wird im Rahmen der Europawahl mit seinem Video-Interview-Format Jung & Naiv durch Europa touren und Menschen vor Ort interviewen, wie es ihnen in diesem Europa geht und ergangen ist seit der letzten Wahl. Dass er seine Tour machen darf, hat er sozusagen Google zu verdanken. Gut, nicht ganz. Aber irgendwo doch. Heute, am letzten Tag seiner Crowdfunding-Phase, schien es nämlich ziemlich knapp zu werden. 1.500 Euro haben in den letzten 12 Stunden noch gefehlt, also 10 Prozent der gesamten Finanzierungssumme. Obwohl Tilo noch einige Unterstützer akquirieren konnte, schien es eine verdammt enge Sache zu werden. Und dann kam Google und hievte „Jung & Naiv goes Europe“ deutlich über die Crowdfunding-Schwelle von 15.000 Euro.

Google und Jung & Naiv – da war doch was? Richtig, Google hat das Interview-Format von Tilo Jung im Rahmen der Bundestagswahl auf seine Plattform geholt und gesponsert. Damals kam eine große Diskussion auf, ob das moralisch in Ordnung ist: Sollte man sich als unabhängiges, innovatives Politikformat von einem Internetriesen, der Datenkrake schlechtin, sponsern lassen? Welchen Einfluss hat der Konzern dann plötzlich und wie geht man mit Themen um, in denen Google eine Haupt- oder Nebenrolle spielt? Martin Giesler hatte damit beispielsweise ein großes Problem. Er würde seine Arbeit nicht von Google bezahlen lassen.

Jetzt mischt Google unvorhersehbar wieder beim jungen Tilo mit – und zwar nicht irgendwie, sondern als der 417. Crowdfunding-Unterstützer, der für das Erreichen der Finanzierungssumme auf dem letzten Meter verantwortlich ist. Wie ist das jetzt für ihn, wollte ich von ihm wissen. Seine Antwort: „Spende ist Spende“. Das stimmt wohl. Mit der Finanzierungsform Crowdfunding geht man ja schließlich dem Von-einem-großen-Sponsor-abhängig(-und-beeinflussbar)-sein aus dem Weg. Man kann sich seine Unterstützer nun mal nicht aussuchen.

 

Aber warum greift ein Weltkonzern in seine Kaffeekasse und sichert einem jungen Journalismusprojekt den Crowdfunding-Erfolg? Auf meine Anfrage hin antwortete die Pressestelle – natürlich auf Google Plus:

„Google fördert Journalisten weltweit in X Projekten. Jung & Naiv haben wir schon mal im vergangenen Jahr unterstützt. Dem Europa-Projekt haben wir nun recht spontan geholfen, da es am Ende ja knapp wurde mit der „Kraut“ ,-)“

Einen Einfluss erhält der Suchmaschinenkonzern auf die Berichterstattung natürlich nicht – Crowdfunding ist Crowdfunding und kein Crowdinvesting mit Erfolgsbeteiligung oder Mitspracherecht. Google könnte damit sein Image in der Journalismusszene damit etwas aufpolieren. Tilo Jung dürfte diese Unterstützung freudig aufnehmen und sich über den Förderungsgrund keine Gedanken machen müssen. Geld ist Geld – ob ein einstelliger Betrag eines armen Bloggers oder ein vierstelliger Betrag eines reichen Konzerns.

Anmerkung: Dieser Beitrag erschien zuerst auf dieTrendblogger.de

Update (26.04.2014):
Tilo Jung hat das Crowdfunding-Projekt „Jung & Naiv goes Europe“ mit 16.011 Euro von 427 Unterstützern erfolgreich abgeschlossen.

Nachtrag (26.04.2014):
Wie Karsten Wenzlaff in seinem Kommentar in dem Originalbeitrag auf dieTrendblogger.de richtig kritisiert, ist die Aussage zu Crowdfunding und Crowdinvesting nicht korrekt, da es sich beim Crowdinvesting um eine Form des Crowdfundings handelt (equity-based) und nicht um das Gegenteil oder Ähnliches. Dass der Projektmacher den Unterstützern beim Crowdfunding keine Mitbestimmungsrechte gewährt, ist dabei ein Erfahrungswert, aber keine pauschal zutreffende Aussage. Rechtliche Gegebenheiten in Sachen „Spenden“ sollten in diesem Beitrag ausgeklammert werden und keine Beachtung finddn. Dass es hierzu allerdings selbst unter Projektmachern noch Aufklärungsbedarf gibt, erkennt man an Aussagen wir der obigen („Spende ist Spende“).

Nachtrag II (28.04.2014):

Verpasse keine Episode und abonniere jetzt meinen

Personal-Branding-Podcast.

Abonniere meine kostenlosen Branding-Impulse!

Bonus zum Start: E-Mail-Kurs
"7 Schritte zu einer messerscharfen Positionierung"
Der Newsletter wird gewöhnlich einmal pro Woche verschickt und enthält neben Informationen, Impulsen und Link-Tipps zu den Themen Personal Branding und Selbstständigkeit auch unregelmäßig Angebote zu diesen Themen. Du hast in jeder E-Mail die Möglichkeit, den Newsletter abzubestellen. Verschickt wird der Newsletter über den deutschen Anbieter "Chimpify". Zur Optimierung des Newsletters werden Daten z.B. zur Öffnungs- und Klickrate erhoben. Mehr Informationen kannst du der Datenschutzerklärung entnehmen. 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?