Aus Wahlkampfvideos resultieren Nichtwähler

Aus Wahlkampfvideos resultieren Nichtwähler

Noch vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Nachdem die Städte schon mit inhaltsleeren Wahlplakaten vollgeklatscht sind, präsentieren CDU und SPD nun ihre Wahlkampfspots. Diese sollen kurz vor der Wahl so richtig reinhauen, die Bürger von sich überzeugen und zum Wählen motivieren. Eigentlich.

CDU und SPD sind sehr unterschiedlich an ihre Wahlkampfspots herangegangen. Während die Christdemokraten ihr einziges Zugpferd ins Rampenlicht rücken, vermeidet die SPD diese Vorgehensweise mit ihrem Kanzlerkandidaten. Stattdessen kommen verschiedene Bürger zu Wort, die ihren Frust von der Seele sprechen – natürlich im Sinne der Sozialdemokraten. So weit, so gut. Schauen wir genauer hin.

Das Video der CDU besteht aus Merkel, Merkel und – nicht zu vernachlässigen – Merkel. Sie sitzt in einem roten Blazer vor tristem Hintergrund auf einem schwarzen Sessel und spricht in ruhiger Tonlage davon, wie gut es Deutschland gehe, wie „wir“ das „gemeinsam“ geschafft haben und dass all das „jetzt nicht aufs Spiel gesetzt werden“ dürfe. Mit mehreren „Ich will“-Sätzen betont sie ihre Vorstellung von einem zukünftigen Deutschland. Sie wird aus mehreren Perspektiven gefilmt; in Nahaufnahmen kommt der Zuschauer ihr näher. Nicht nur sie als alleiniger Bestandteil des Videos hebt Merkel hervor, auch die gewählten Farben, die Nahaufnahmen und ihre ruhige Stimme vor beruhigender Hintergrundmusik rücken sie in den Mittelpunkt. Inhaltlich betont sie die gute Lage Deutschlands und kritisiert Vorstellungen der Opposition. Konkrete nächste Schritte ihrer Politik bleiben für die Zuschauer ein Geheimnis.

Ähnlich ergeht es den Zuschauern beim Schauen des SPD-Wahlkampfspots. Die Bürger, die in ihrer gewohnten Lebensumgebung an einem SPD-Pult zu Wort kommen, äußern Kritik und Wünsche. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist am Schluss des Videos einige Sekunden zu sehen und resümiert: „Darum will ich Bundeskanzler werden, weil in Deutschland etwas aus dem Lot geraten ist und es in unserem Land wieder gerechter zugehen muss“. Eigene Lösungswege haben sie im Willy-Brandt-Haus liegen lassen. Anders als im CDU-Spot wird keine Musik im Hintergrund eingespielt. Es sind nur die jeweils sprechenden Stimmen zu hören. Auch die SPD betont das Gemeinsame: „Das Wir entscheidet“ ist auf dem Pult zu lesen und wird am Ende nochmals eingeblendet.

Welche Schlüsse können also aus den beiden Wahlkampf-Videos gezogen werden? Fangen wir mal beim Positiven an. So, und nun zum Negativen. Sowohl CDU als auch SPD zeigen sich kaum bis gar nicht angriffslustig. Bei Merkel kann man das Gefühl bekommen, es spreche eine Laienschauspielerin. Einschlafen vorprogrammiert. Im SPD-Video existiert ein ganz anderes Problem: Wenn Steinbrück „Darum will ich Bundeskanzler werden“ sagt, weiß der Zuschauer schon nicht mehr, was „darum“ meint. Aussagen bleiben nicht wirklich hängen. Gründe, am 22. September zur Wahlurne zu schreiten? Fehlanzeige. Würden die Wahlkampfvideos – Wahlkampf ist eigentlich der falsche Audruck – als Gründe, zur Wahl zu gehen, herangezogen werden, dann wäre das Resultat ernüchternd: Es gäbe wohl mehr Nichtwähler als je zuvor.

PS: Ja, Merkel hat „Neuland“ gesagt.

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